Wirtschaftskriminalität in der Schweiz: Status Quo

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Veruntreuung, Hacker-Angriffe, Bestechung – die Liste der Kriminalfälle im Wirtschaftsbereich, die sich in der Schweiz in den vergangenen Jahren ereignet haben, ist lang. Dass die Schweiz im weltweiten Vergleich so stark betroffen ist, lässt sich durch die starke Finanzkraft des Landes erklären. Wirtschafskriminelle können hier durch unlautere Wege besonders hohe Summen abgreifen.

Insgesamt 800 Millionen Franken Schaden entstanden zum Beispiel durch den Fall um Financier Dieter Behring, der rund 2000 Personen durch gewerbsmäßigen Anlagebetrug geschädigt hatte. Es ist der bisher größte Betrugsfall der Schweizer Geschichte und verdeutlicht das potenzielle Ausmaß dieser Art von Kriminalität.

Die häufigste Art von Wirtschaftsverbrechen

Auf Platz 1 der häufigsten wirtschaftlichen Verbrechen in der Schweiz steht die Veruntreuung von Vermögenswerten. Die Tätergruppe lässt sich hierbei vergleichsweise eng eingrenzen und stammt nicht selten aus den eigenen Reihen des betroffenen Unternehmens, wie eine PwC-Studie von 2016 zeigt.

Laut der Studie sind unternehmensinterne Täter meist männlich, zwischen 41 und 50 Jahre alt und schon längere Zeit im Unternehmen tätig. Dementsprechend stecken oft Führungskräfte hinter der Veruntreuung, die durch ihre hohe Stellung großen Handlungsspielraum und allgemeines Ansehen genießen. Der Experte für Wirtschaftskriminalität Dr. Alexander Schuchter, der schon mehr als 100 Täter-Interviews geführt hat, weiß: „Prestige ist den Wirtschaftsstraftätern wichtig.“

Technologie: Chance und Risiko

Platz 2 nehmen Fälle von Cyberkriminalität ein. In diesem Bereich werden nach PwC-Prognose auch künftig Zunahmen vermutet. Denn Unternehmen setzen nach wie vor häufig auf Cloudsysteme als Netzwerktool. Diese sind zwar äußerst wettbewerbsfähig, bieten aber gleichzeitig umso mehr Angriffsfläche für Hacker-Angriffe.

Da die meisten Unternehmen stark von Technologie abhängig sind, gibt es auch keine zu hundert Prozent verlässliche Methode, sich zu schützen. Die Hälfte der von PwC befragten Unternehmen sahen diese Art von Kriminalität durchaus als Bedrohung; ganze 40 Prozent rechneten sogar damit, innerhalb der nächsten 24 Monate Opfer davon zu werden.

Problematisch ist in dieser Hinsicht, dass viele Unternehmen nicht ausreichend informiert sind. So kann es passieren, dass sie unbewusst Opfer von Hackern werden und das Ausmaß des Schadens nicht einmal einschätzen können. Fehlt das Bewusstsein über mögliche Angriffspunkte, können auch keine entsprechenden Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Betrug in Netzwerken und Finanzangelegenheiten

Neben der Anfälligkeit für Cyberangriffe birgt die vernetzte Arbeitsweise für Unternehmen ein weiteres Risiko: die Verletzung geistigen Eigentums liegt laut PwC auf Platz 3 der gängigsten Wirtschaftsverbrechen. Denn je mehr Personen an Projekten beteiligt sind, desto höher ist auch das Risiko, dass beispielsweise die Entwicklung innovativer Produkte und Serviceleistungen kriminell ausgebeutet wird.

Auf Platz 4 schließlich liegen Fälle von Geldwäscherei, Korruption und Bestechung. Insgesamt waren davon nur 3 Prozent der Schweizer Teilnehmer der PwC-Studie betroffen; die meisten der befragten Unternehmer rechneten auch für die kommenden Jahre nicht mit solchen Problemen. Tatsächlich stellen aber gerade Bestechung und Korruption das größte Risiko dar, wenn es um das weltweite Geschäft geht. Denn diese Vergehen können nicht nur hohe Geldstrafen verursachen, sondern wirken auch äußerst rufschädigend.

Schweizer Unternehmen sehen sich also auch künftig mit vielen Varianten von Wirtschaftskriminalität konfrontiert. Besonders Cyberkriminalität kann nie vollständig verhindert werden – weshalb Prävention und ein erhöhtes Bewusstsein diesbezüglich umso wichtiger sind.

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